- Die Heiratslandkarte der EU: Wohin zieht es die jungen Leute?
Das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen und hat in den meisten Mitgliedstaaten die 30-Jahres-Grenze überschritten.
- Die „Eile“: Staaten in Ost- und Südosteuropa verzeichnen das niedrigste Durchschnittsalter bei der ersten Heirat . In Polen, Rumänien und Bulgarien heiraten junge Menschen tendenziell früher, meist vor dem 30. Lebensjahr.
- Der „Patient“: Am anderen Ende des Spektrums stehen die nordischen Staaten und die westeuropäischen Staaten. In Schweden, Spanien und Italien liegt das durchschnittliche Alter bei der ersten Heirat für Männer oft über 35 Jahren und für Frauen bei 33 Jahren .
- Der Rückgang standesamtlicher Eheschließungen: Die Heiratsrate (Anzahl der Eheschließungen pro 1.000 Einwohner) sank von 8,0 im Jahr 1964 auf etwa 3,2 in den Jahren 2022/2023, ein Zeichen dafür, dass junge Menschen nichteheliche Lebensgemeinschaften oder eingetragene Partnerschaften bevorzugen .
- Rumänien: Tradition versus wirtschaftlicher Druck
In Rumänien sind traditionelle Werte zwar nach wie vor stark ausgeprägt, doch die wirtschaftliche Realität bringt für junge Menschen, die eine Familie gründen wollen, neue Spielregeln mit sich.
- Steigendes Durchschnittsalter : In Rumänien liegt das Durchschnittsalter bei der ersten Heirat bei Männern bei etwa 32 Jahren und bei Frauen bei 28–29 Jahren – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 24–25 Jahren vor zwei Jahrzehnten.
- Geburten außerhalb der Ehe: Knapp 30-33 % der in den letzten Jahren in Rumänien geborenen Kinder haben Eltern, die nicht standesamtlich verheiratet sind . Dies spiegelt einen europäischen Trend hin zur Akzeptanz von Familien ohne Papiere wider.
- Der Wohnungsfaktor: Ein großes Hindernis für junge Rumänen ist der Zugang zu Wohnraum . Die Abhängigkeit von den Eltern (wie bereits in früheren Artikeln erwähnt) verzögert die Entscheidung, eine eigene Familie zu gründen, bis finanzielle Stabilität erreicht oder eine Hypothek aufgenommen wurde.
Die Ehe als später „Meilenstein“
Analysen auf europäischer Ebene zeigen, dass die Familiengründung nicht mehr der erste, sondern der letzte Schritt zum Erwachsenwerden ist. Junge Menschen legen heute Wert darauf, ihr Studium abzuschließen, den Arbeitsmarkt zu erkunden und eine Wohnung zu finden, bevor sie heiraten.
Während in Staaten wie Frankreich oder Dänemark der Staat jungen Paaren unabhängig vom Familienstand Subventionen und Förderprogramme anbietet, geht der Druck, sich niederzulassen, in Rumänien oft von der Großfamilie aus und kollidiert mit realen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Folge ist eine Generation, die später heiratet, weniger Kinder hat und psychologische Kompatibilität sowie die Unabhängigkeit der Partner deutlich stärker in den Vordergrund stellt.
Vorteile und Angebote für junge Familien: Europäische Modelle
Die EU-Mitgliedstaaten verfolgen unterschiedliche Strategien: Einige setzen auf direkte Subventionen (Bargeld), während andere stark in Dienstleistungen (Kinderkrippen, Kindergärten) oder Steuersenkungen investieren.
- Frankreich: Der „Champion“ der Dienstleistungen und der Besteuerung
Frankreich hat eine der höchsten Geburtenraten in der EU, was auf ein komplexes System zurückzuführen ist, das Elternzeit mit einzigartigen Steuervorteilen verbindet.
- Familienquotient: Es handelt sich um ein Steuersystem, das die Einkommensteuer proportional zur Anzahl der Kinder reduziert . Je mehr Kinder man hat, desto weniger Steuern zahlt man an den Staat.
- Grundgeld (PAJE): Wird bei der Geburt des Kindes gewährt und bis zum Alter von 3 Jahren weitergezahlt , abhängig vom Einkommen.
- Deutschland: Flexibilität und direkte Unterstützung
In Deutschland wird das „Elterngeld“ großgeschrieben, das es beiden Partnern ermöglicht, sich die Kinderbetreuung zu teilen.
- Elterngeld: Eltern können zwischen 65 % und 100 % ihres vorherigen Einkommens (zwischen 300 und 1800 Euro pro Monat) für einen Zeitraum von bis zu 14 Monaten erhalten, wenn beide Elternteile die Elternzeit in Anspruch nehmen.
- Kindergeld: Eine allgemeine Beihilfe von etwa 250 Euro pro Monat für jedes Kind , unabhängig vom Einkommen der Eltern (Quelle: Familienportal.de).
- Ungarn: Familycredit (das östliche Modell)
Ungarn hat eine aggressive Kreditpolitik eingeführt, um die Heirats- und Geburtenraten junger Menschen unter 40 Jahren zu fördern.
- „Babaváró“-Kredit: Junge Ehepaare können einen zinslosen Kredit von etwa 30.000 Euro erhalten. Haben sie drei Kinder, wird die Schuld vom Staat vollständig erlassen .
- Lebenslange Steuerbefreiung: Frauen, die mindestens vier Kinder erziehen, sind lebenslang von der Einkommensteuer befreit .
- Rumänien: Zwischen Entschädigungs- und Kreditprogrammen
In Rumänien erfolgt die Unterstützung in erster Linie über die Kindererziehungsbeihilfe, aber auch über neue Kreditprogramme für Jugendliche.
- Kindererziehungsbeihilfe: Entspricht 85 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate, begrenzt auf maximal 8.500 RON pro Monat (Quelle: Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität – Sozialhilfeleistungen).
- Family Start:Ein staatlich subventioniertes Kreditprogramm, bei dem junge Menschen bis zu 150.000 RON für Ausgaben im Zusammenhang mit Hochzeiten, Krankenhausaufenthalten bei der Geburt, der Ausbildung ihrer Kinder oder Anzahlungen für Autos erhalten können, wobei die Zinsen teilweise oder vollständig subventioniert sind.
Daten deuten darauf hin, dass die französischen und nordischen Modelle (Investitionen in Kindertagesstätten und Steuervorteile) langfristig wirksamer für die Unabhängigkeit junger Menschen sind als direkte Geldzuschüsse. In Rumänien ist die unzureichende Infrastruktur (Kindertagesstätten und Kindergärten mit verlängerten Öffnungszeiten) trotz wettbewerbsfähiger Förderbeträge weiterhin der Hauptgrund dafür, dass junge Menschen die Familiengründung hinauszögern.
Vergleichstabelle: Zulagen und finanzielle Unterstützung pro Kind (2026)
| Land | Name der Leistung | Monatlicher Betrag (pro Kind) | Beobachtungen / Zustände |
| Deutschland | Kindergeld | ca. 255–260 € | Universeller Festbetrag, unabhängig vom Einkommen der Eltern. |
| Frankreich | Familienzuweisungen | ~35-180 € | Die Höhe des Betrags hängt stark vom Familieneinkommen und der Anzahl der Kinder ab (er erhöht sich ab dem zweiten Kind). |
| Italien | Assegno Unico | ~55-200 € | Angepasst an den ISEE-Indikator (Familieneinkommen). Familien mit niedrigem Einkommen erhalten den Höchstbetrag . |
| Spanien | Ayuda por hijo | ca. 50–115 € | Teil des „Mindestlebenseinkommens“; die Beträge sind für Kinder unter 3 Jahren höher . |
| Olanda | Kinderbijslag | ~95-135 € | Die Zahlung erfolgt vierteljährlich. Der Betrag erhöht sich mit zunehmendem Alter des Kindes (0-5, 6-11, 12-17 Jahre). |
| Rumänien | Staatliche Zulage | ca. 65–145 € | 719 RON (unter 2 Jahren) / 292 RON (2-18 Jahren) – inflationsindexierte Werte. |
Analyse: Was sollte eine junge Familie wissen?
- Universalität vs. Bedarf: In Deutschland und Rumänien ist die Sozialhilfe ein allgemeines Recht (jeder erhält denselben festen Betrag). In Frankreich und Italien ist das System umverteilend: Bei hohem Einkommen der Eltern sinkt die Sozialhilfe deutlich, und das Geld kommt bedürftigen Familien zugute.
- Kaufkraft: Obwohl der Betrag in Deutschland am höchsten erscheint, stehen die Lebenshaltungskosten und Ausgaben für Dienstleistungen (private Kindergärten, Mieten) in einem proportionalen Verhältnis zueinander. Die Niederlande sind das einzige Land, das den Betrag mit dem Alter des Kindes erhöht und damit den höheren Ausbildungskosten für Jugendliche Rechnung trägt.
- Entschädigung (Urlaub): Zusätzlich zu diesen Beträgen bieten alle 5 Länder Mutterschafts-/Vaterschaftsentschädigungen in Höhe von 65 % bis 100 % des Gehalts für Zeiträume von 6 bis 24 Monaten an.
Schlussfolgerungen für junge Menschen in Rumänien
Obwohl die Unterstützung in Rumänien nominal (im Vergleich zum Mindestlohn) zu den niedrigsten zählt, stellt sie dennoch eine wichtige Hilfe dar. Der größte Unterschied zu den anderen fünf Ländern liegt jedoch in der Infrastruktur: Dort garantiert der Staat einen Betreuungsplatz oder subventioniert Kindermädchen, sodass beide Elternteile schnell wieder ins Berufsleben zurückkehren und ihre finanzielle Unabhängigkeit wahren können.
Artikel geschrieben von Mihai Marcel Ghinea.
