„Ich vertraue den Medien nicht.“
Unter aserbaidschanischen Jugendlichen ist dieser Satz weder eine Provokation noch eine politische Aussage. Er wird ruhig, oft ohne Betonung ausgesprochen und meist von einer Handlung gefolgt: Telegram öffnen, durch Instagram scrollen, auf YouTube klicken oder eine Nachrichtenseite aufrufen.
Trotz weit verbreiteten Misstrauens ist der Medienkonsum nicht zurückgegangen. Nachrichten werden täglich gelesen, verglichen, hinterfragt, weitergeleitet und gefiltert. Geändert hat sich nicht, ob junge Menschen Medien konsumieren, sondern wie sie damit umgehen. Viele beschreiben den Nachrichtenkonsum daher weniger als Ausdruck einer Überzeugung, sondern vielmehr als praktische Notwendigkeit.
Dieser Artikel stützt sich auf Interviews mit aserbaidschanischen Jugendlichen und einem Soziologen, um zu untersuchen, wie junge Menschen sich in einer Medienumgebung zurechtfinden, der sie nicht vollständig vertrauen, und was dies über das Leben nach dem Vertrauensverlust aussagt.
