Die Dinnerparty: Warum Maltas Speisekarte in den 60er-Jahren stecken geblieben ist
Stellen Sie sich eine Dinnerparty vor, bei der Sie nur zwischen Steak und Fisch wählen dürfen – für immer. Keine veganen Optionen, keine Fusionsküche und definitiv kein Dessert, es sei denn, die Mehrheit stimmt zu. Das ist die Realität des politischen Pluralismus in Malta. Während der Rest der Welt mit den komplexen Herausforderungen der 2020er-Jahre ringt, bleibt unser politisches System ein Tauziehen zwischen zwei Giganten. Eine ganze Generation von Denkern, Aktivisten und Innovatoren steht am Spielfeldrand und findet sich keiner Seite an.
Doch dies ist nicht nur eine Metapher für einen langweiligen Samstagabend; es ist der Grundriss des maltesischen Parlaments. Seit Jahrzehnten ist unsere politische Landschaft ein Duopol – ein zweiköpfiger Riese, in dem die Labour Party (PL) und die Nationalist Party (PN) abwechselnd die Macht ausüben.
Bei den Europawahlen 2024 zeigte sich ein Riss in der Fassade. Die traditionellen Supermehrheiten begannen zu bröckeln, und so viele Menschen wie nie zuvor wandten sich anderen Parteien zu. Doch aufgrund eines Systems, das Stabilität über Vielfalt stellt, blieb das Ergebnis dasselbe: Rot und Blau. Für die Außenwelt wirkt Malta wie eine stabile Demokratie. Für uns, die wir hier leben, fühlt es sich an wie ein festgefahrenes Gleichgewicht, in dem neue Ideen im Keim erstickt werden, weil sie nicht in ein vorgegebenes Farbschema passen.
Im April 2024 saß ich der neu gewählten Präsidentin der Republik, Myriam Spiteri Debono, während der Fernsehsendung Popolin gegenüber. Meine Frage war einfach: Wie können wir den Mangel an Pluralismus und das erdrückende Zweiparteiensystem, das unsere Inseln prägt, angehen?
Ihre Reaktion war aufschlussreich. Sie räumte ein, dass das gegenwärtige System jungen Menschen den Einstieg in die Politik nicht gerade erleichtert. Es war ein seltener Moment institutioneller Ehrlichkeit, doch er hinterließ einen faden Beigeschmack. Zu erkennen, dass die Tür verschlossen ist, ist das eine; den Schlüssel zu übergeben, das andere.
Die Antwort des Präsidenten konzentrierte sich auf die Schwierigkeiten beim politischen Einstieg, ging aber nicht auf die Frage nach dem Warum ein. Das Warum ist, dass unsere politische Struktur junge Menschen nicht nur nicht einlädt – sie ist aktiv darauf ausgelegt, den Einflussbereich klein zu halten. Wenn der höchste Repräsentant des Staates zwar anerkennt, dass das System kaputt ist, aber keinen Plan zu seiner Behebung anbieten kann, wird klar, dass Pluralismus nicht von oben verordnet wird; er muss von der Straße eingefordert werden.
