Am 6. März hatte ich die Ehre, den Internationalen Frauentag im Gespräch mit der Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, zu verbringen. Dies bot mehr als nur einen Moment des Feierns; es schuf Raum für ehrliche Gespräche über Chancen, Unterstützung und die Realitäten, mit denen junge Frauen heute konfrontiert sind.

Die Veranstaltung brachte Studierende und junge Berufstätige zu einem Abend zusammen, der mit einer Podiumsdiskussion und anschließendem Networking strukturiert war. Das Format förderte den offenen Dialog und ermöglichte es den Teilnehmenden, ihre Erfahrungen und Anliegen zu äußern, bevor das Gespräch im Anschluss in informeller Atmosphäre fortgesetzt wurde.

Einer der auffälligsten Aspekte der Veranstaltung war ihre Zugänglichkeit. Wir in Malta haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem die Distanz zwischen Bürgern und Politikern deutlich geringer ist als in vielen anderen Ländern. Veranstaltungen wie diese unterstreichen diese Nähe. Gleichzeitig spiegeln sie auch etwas über Roberta Metsolas Führungsstil wider. Ihre Bereitschaft, direkt mit jungen Menschen in Kontakt zu treten, bestärkt den Eindruck, dass sie vor allem eine volksnahe Person ist. Dass sie regelmäßig ähnliche Treffen organisiert, zeigt ihr klares Bemühen, mit der Öffentlichkeit in Verbindung zu bleiben.

Neben der Podiumsdiskussion selbst erwies sich die anschließende Netzwerkveranstaltung als ebenso wertvoll. Die Gespräche mit mehreren Studierenden und jungen Frauen aus verschiedenen Fachrichtungen erinnerten mich daran, wie wichtig Gemeinschaft und Vernetzung sind, insbesondere in einer Zeit, in der viele junge Menschen noch ihren Weg suchen. Solche Gespräche vermitteln die Gewissheit, dass Unsicherheiten oft geteilt werden und dass man von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen wertvolle Unterstützung erhalten kann.

Während der Podiumsdiskussion fand eine Bemerkung besonders großen Anklang. Eine Teilnehmerin merkte an, dass Männer sich oft offener gegenseitig unterstützen und bestärken, Frauen hingegen nicht immer. Metsola betonte daraufhin, dass selbst kleine Gesten der Anerkennung wichtig sein können. Nicht jeder könne sich immer aktiv für andere einsetzen, erklärte sie, aber das Mindeste, was wir tun könnten, sei, einander wahrzunehmen und anzuerkennen, dass jemand da ist und seinen Beitrag leistet.

Dieses Thema tauchte in den Gesprächen nach der Podiumsdiskussion immer wieder auf. Mehrere Teilnehmende merkten an, dass Angebote wie Praktika, Traineeprogramme oder Reiseprogramme oft nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich seien. Dies zeige sich zwar besonders deutlich in Jugendorganisationen, spiegele aber wahrscheinlich auch weiter verbreitete Muster im beruflichen Umfeld wider.

Ein weiteres angesprochenes Problem war die Zugangsbeschränkung zu Chancen. Einige Frauen schilderten Situationen, in denen Informationen nicht immer offen geteilt werden. Diese Dynamik kann unnötigen Wettbewerb anstelle von Zusammenarbeit fördern.

Des Weiteren wurde in der Diskussion die zunehmende Sichtbarkeit traditionalistischer oder extremistischer Geschlechterideologien thematisiert, die sich häufig in Online-Trends wie der „Trad Wife“-Bewegung widerspiegeln. Metsola beleuchtete das Thema aus ökonomischer Perspektive. Ihrer Ansicht nach kann das Aufkommen solcher Trends auch auf eine Gesellschaft hindeuten, in der viele Haushalte finanziell so stabil sind, dass Frauen die Möglichkeit haben, nicht zu arbeiten, wenn sie dies wünschen. Obwohl die Diskussion anerkannte, dass dieser Trend weiterhin kontrovers diskutiert wird, eröffnete sie eine breitere Debatte über Wahlfreiheit, wirtschaftliche Sicherheit und die unterschiedlichen Wege, auf denen Frauen heute Beruf und Familie vereinbaren.

Diese Diskussionen verdeutlichten zwar reale Herausforderungen, bekräftigten aber auch eine wichtige Erkenntnis: Frauen müssen sich gegenseitig gezielter unterstützen. Anerkennung, Ermutigung und Offenheit können wesentlich dazu beitragen, dass Chancen für einen breiteren Personenkreis zugänglich werden.

Letztlich diente die Veranstaltung als Erinnerung daran, dass Fortschritt nicht nur durch Politik und Institutionen geprägt wird, sondern auch durch die Gemeinschaften, die wir aufbauen, und die Unterstützung, die wir uns gegenseitig auf diesem Weg bieten.

Gruppen-Selfie mit Metsola

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