Eine Generation, die auf leeren Tanks lebt

Studien und Umfragen zeigen ein einheitliches Bild: Die Generation Z berichtet von einem höheren Stress-, Angst- und Burnout-Niveau als jede Generation vor ihr. In der globalen Deloitte-Studie zur Generation Z und den Millennials gaben rund 40 % der Befragten der Generation Z an, sich ständig oder fast ständig gestresst zu fühlen. Viele brachten diesen Stress direkt mit beruflichem und finanziellem Druck in Verbindung. Andere Daten zeichnen ein noch düstereres Bild: Im Jahr 2025 berichteten 74 % der Arbeitnehmer der Generation Z von einem mittleren bis hohen Burnout-Niveau. Damit ist sie die am stärksten von Burnout betroffene Generation in der Arbeitswelt.

Es handelt sich hier nicht einfach um junge Arbeitnehmer, die sich an das Erwachsenenleben anpassen. Vielmehr spiegelt es einen tiefergreifenden strukturellen Wandel in der Wechselwirkung von Arbeit, Identität und Stabilität wider.

Der Druck, erfolgreich zu sein – ohne Stabilität

Frühere Generationen hatten oft klarere Karriereperspektiven: sichere Anstellung, steigende Löhne und die Erwartung, dass sich Anstrengung in beruflichem Aufstieg niederschlägt. Für die Generation Z hat diese Gleichung nicht mehr funktioniert. Steigende Lebenshaltungskosten , Wohnungskrisen und unsichere Arbeitsmärkte haben eine Art „prekäre Hoffnung“ geschaffen – eine Diskrepanz zwischen Anstrengung und Belohnung. Junge Menschen investieren in Arbeit und Ausbildung, ohne klare Perspektiven auf finanzielle Stabilität zu haben. Fast die Hälfte der Befragten der Generation Z gibt an, sich finanziell unsicher zu fühlen, und diese Unsicherheit ist eng mit ihrem psychischen Wohlbefinden verknüpft.

Das Ergebnis ist ein Paradoxon: Von jungen Menschen wird erwartet, dass sie viel in ihre Karriere investieren, obwohl sie nicht darauf vertrauen, dass sich diese Investitionen auszahlen werden. Diese Unsicherheit schürt chronischen Stress, lange bevor die traditionellen Erfolgsindikatoren erreicht sind.

Ständig online: die digitale Ebene des Burnouts

Anders als frühere Generationen lässt die Generation Z die Arbeit nicht nach Feierabend hinter sich. Smartphones verwischen die Grenzen zwischen Berufs-, Sozial- und Privatleben. Nachrichten erreichen uns auch nach Feierabend. E-Mails bleiben minutenlang unbeantwortet, nicht tagelang. Social-Media-Feeds setzen den Kreislauf des Vergleichens und des Leistungsdrucks auch nach Feierabend fort. Studien zeigen, dass es jüngeren Arbeitnehmern schwerer fällt als älteren Generationen, abzuschalten: Nur ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen gibt an, bei Bedarf vom Job abschalten zu können.

Diese ständige Vernetzung erzeugt das, was Psychologen als kognitive Überlastung bezeichnen : einen Zustand, in dem sich das Gehirn von der Stimulation nie vollständig erholt.

Die Kultur der ständigen Optimierung

Burnout wird nicht allein durch die Arbeit verursacht. Verstärkt wird er durch eine umfassendere kulturelle Erwartungshaltung: die Vorstellung, dass jeder Lebensbereich optimiert werden sollte – die Karriere muss sinnstiftend sein, Hobbys produktiv und das Sozialleben dokumentiert werden. Selbst Erholung wird oft als Selbstverbesserung betrachtet.

Soziale Medien verstärken diesen Druck. Ein einziger Blick auf die Profile von Bekannten, die Startups gründen, Influencern, die ihre persönliche Marke aufbauen, und Kreativen, die ihre Hobbys zum Beruf machen. Die implizite Botschaft ist immer dieselbe: Du könntest mehr leisten. Mit der Zeit entsteht so ein Kreislauf, in dem sich Ruhe unverdient anfühlt und die Produktivität als unzureichend empfunden wird, selbst wenn man ohnehin schon überlastet ist.

Arbeiten ohne Grenzen

Die Struktur der modernen Arbeitswelt verstärkt das Burnout-Risiko zusätzlich. Einstiegspositionen fordern oft hohe Leistung bei geringer Autonomie, während die Grenzen zwischen Festanstellung und ständiger Verfügbarkeit in der Gig-Economy und der Freelance-Ökonomie verschwimmen. Gleichzeitig haben sich die Unternehmenskulturen noch nicht vollständig an die Erwartungen jüngerer Arbeitnehmer in Bezug auf psychische Gesundheit angepasst. Immer weniger Angehörige der Generation Z fühlen sich wohl dabei, mit Vorgesetzten über Stress zu sprechen, was auf eine Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Unterstützung hinweist.

Viele junge Arbeitnehmer befinden sich im Spannungsfeld zweier gegensätzlicher Erwartungen: „Sei ehrgeizig, flexibel und immer erreichbar“ und „Schütze deine psychische Gesundheit und setze Grenzen“. Die Vereinbarkeit dieser Erwartungen wird oft den Einzelnen überlassen, anstatt von den Systemen geregelt zu werden.

Burnout als Ausgangspunkt

Das Besondere am Burnout der Generation Z ist nicht nur seine Intensität, sondern auch sein Zeitpunkt. Studien deuten darauf hin , dass Burnout früher im Leben seinen Höhepunkt erreicht als bei früheren Generationen. Junge Erwachsene berichten bereits zu Beginn ihrer Karriere von hohem Stress. In manchen Fällen führt dies zu beruflicher Entfremdung: Betroffene reduzieren ihre Anstrengungen, wechseln häufig den Job oder definieren Erfolg völlig neu. In anderen Fällen hat es schwerwiegendere Folgen wie Angstzustände, Depressionen und langfristige psychische Probleme.

Arbeit, Wert und Ruhe neu überdenken

Ein Burnout vor dem 30. Lebensjahr ist nicht einfach nur ein persönliches Versagen. Er ist ein Signal dafür, dass die Systeme, die junge Menschen umgeben – wirtschaftlich, technologisch und kulturell –, sie mit unhaltbaren Anforderungen überfordern. Um dem entgegenzuwirken, braucht es mehr als Wellness-Apps oder Produktivitätstricks, sondern stabilere Karrierewege, realistische Erwartungen an die Verfügbarkeit und Arbeitsplätze, die psychische Gesundheit als zentrales Anliegen und nicht als Nebensache behandeln.

Für die Generation Z besteht die Herausforderung nicht nur darin, die ersten Jahre des Erwachsenenalters zu überstehen. Es geht vielmehr darum, diese Jahre von vornherein neu zu definieren. Denn wenn Burnout zum Standard wird, lautet die Frage nicht mehr, wie man sich davon erholt, sondern wie man verhindert, dass er eine ganze Generation prägt.

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