In den letzten zehn Jahren hat sich unsere Arbeitswelt zwar unauffällig, aber doch stark verändert. Die alte Vorstellung von einem sicheren Job bei einem Unternehmen, einem verlässlichen Gehalt und festen Arbeitszeiten wird allmählich durch flexiblere und flexiblere Arbeitsmodelle ersetzt. Haupttreiber dieser Entwicklung ist die Gig-Economy – im Wesentlichen eine Vielzahl von kurzfristigen Jobs, freiberuflichen Tätigkeiten und Dienstleistungen, die über Apps angeboten werden.

Für viele junge Berufseinsteiger ist dies nicht einfach nur eine weitere Option. Oftmals ist es der Ort, an dem ihre Karriere beginnt.

Online-Plattformen wie Uber, Deliveroo, Fiverr und Upwork haben im Grunde weltweite Märkte geschaffen, auf denen Menschen ihre Dienste anbieten können, wann immer sie gebraucht werden. Ob Grafikdesign, Programmierung, Fahrdienste oder Essenslieferungen – unzählige Menschen sind mittlerweile Teil dieser wachsenden Online-Arbeitswelt.

Laut McKinsey & Company gehen in den USA bis zu 36 % der Arbeitnehmer einer freiberuflichen Tätigkeit oder Projektarbeit nach, sei es als Haupteinkommensquelle oder als Nebenverdienst. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in ganz Europa beobachten, da digitale Plattformen den Arbeitsmarkt nachhaltig verändern.

Für die Generation Z, die im Grunde ihr ganzes Leben lang mit dem Internet aufgewachsen ist, bringt dieser Wandel sowohl gute Dinge als auch neue Sorgen mit sich.

Der Reiz der Flexibilität

Ein großer Anreiz der Gig-Economy für junge Menschen ist ihre Flexibilität. Im Gegensatz zu einer regulären Anstellung können sich die Menschen bei der Gig-Arbeit oft ihre Arbeitszeiten, ihren Arbeitsort und ihr Arbeitspensum selbst aussuchen.

Diese Art von Freiheit ist besonders attraktiv für Studierende, Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger. Sie ermöglicht es ihnen, verschiedene Projekte parallel zu bearbeiten, sich in unterschiedlichen Bereichen weiterzubilden oder ihren Hobbys nachzugehen und dabei trotzdem Geld zu verdienen.

Da Gig-Plattformen online funktionieren, ist man nicht auf die Zusammenarbeit mit Menschen in der Nähe beschränkt. Ein freiberuflicher Designer in Zypern kann beispielsweise mit Kunden in London, Berlin oder New York zusammenarbeiten, ohne umziehen zu müssen. Die Gig-Economy hat somit weltweit neue Jobmöglichkeiten geschaffen und die Arbeitswelt globaler und vernetzter gemacht.

Für viele Angehörige der Generation Z passt dieses Modell perfekt zu ihren Werten: Kontrolle haben, kreativ sein und ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben finden, anstatt nur nach beruflicher Sicherheit zu streben.

Die Herausforderungen hinter der Flexibilität

Doch genau die Aspekte, die Menschen an der Gig-Economy reizen, können sie auch unsicher machen. Anders als bei einer Festanstellung bietet Gig-Economy in der Regel kein regelmäßiges Einkommen. Wie viel man verdient, hängt stark davon ab, wie groß der Bedarf an Dienstleistungen ist, wie viele andere Auftragnehmer auf der Plattform aktiv sind und wie das System die Aufträge vergibt.

Zudem fehlen Gig-Workern oft die üblichen Arbeitnehmerschutzrechte. Sie gelten in der Regel als Selbstständige und nicht als Angestellte, weshalb ihnen Leistungen wie bezahlter Urlaub, Krankenversicherung oder Altersvorsorge fehlen.

Dann ist da noch die Frage, wie Algorithmen funktionieren. Auf vielen Plattformen überwachen Computerprogramme die Leistung der Arbeiter anhand von Bewertungen, Reaktionsgeschwindigkeit und Arbeitsqualität. Diese Algorithmen können beeinflussen, wie viele und welche Jobs man sieht und sogar wie viel man verdient. Die Arbeiter haben meist keine Ahnung, wie diese Algorithmen funktionieren.

Für junge Leute, die versuchen, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, bedeutet diese Mischung aus Freiheit und Unsicherheit, dass sie ständig zwischen Unabhängigkeit und einem gewissen Gefühl der Unsicherheit hin- und hergerissen sind.

Die zunehmende politische Debatte

Angesichts des Wachstums der Gig-Economy diskutieren Politiker verstärkt darüber, wie über Online-Plattformen vermittelte Jobs geregelt werden sollen. In der EU wird über bessere Rechte und soziale Sicherungssysteme für Plattformarbeiter gesprochen.

Eine zentrale Frage ist, ob diese Gig-Worker als Selbstständige gelten oder eher die gleichen Sozialleistungen wie reguläre Angestellte erhalten sollten. Der Ausgang dieser Diskussion könnte die digitale Arbeitswelt grundlegend verändern. Befürworter strengerer Regelungen argumentieren, dass klarere Arbeitsrechte wichtig seien, um prekäre Arbeitsverhältnisse und Ausbeutung zu verhindern. Kritiker hingegen befürchten, dass zu viele Regeln die Freiheit einschränken könnten, die die Gig-Arbeit überhaupt erst attraktiv macht.

Eine neue Generation von Arbeitern

Für die Generation Z ist die Gig-Economy nicht nur eine vorübergehende Modeerscheinung auf dem Arbeitsmarkt. Sie ist vielmehr ein Zeichen für einen umfassenderen Wandel in der Art und Weise, wie Menschen ihre Karriere gestalten und ihre berufliche Identität finden.

Die Arbeitswelt verlagert sich zunehmend ins Internet, die Arbeitsorte werden flexibler und der Fokus liegt auf spezifischen Projekten. Anstatt lange Zeit in einem Job zu bleiben, jonglieren viele junge Menschen mit freiberuflichen Aufträgen, Remote-Verträgen und befristeten Arbeitsverhältnissen.

Es ist noch völlig unklar, ob diese Regelung den Arbeitnehmern tatsächlich mehr Macht verleiht oder lediglich zu neuen Geldsorgen führt.

Eines ist sicher: Die Gig-Economy verändert die Arbeitswelt grundlegend. Für die Generation Z wird die eigentliche Herausforderung nicht nur darin bestehen, sich an diese neue Arbeitsweise zu gewöhnen, sondern auch darin, herauszufinden, wie sie diese für sich nutzen kann und langfristig ein gutes Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit findet.

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