Artikel von Francesca Moriero – Journalistin, Fanpage.it
In Brüssel werden die Diskussionen über die Zukunft der europäischen Vorschriften zur unternehmerischen Nachhaltigkeit wieder aufgenommen. Nach den Vorschlägen der Europäischen Kommission zur Entlastung der Unternehmen von regulatorischen Auflagen drängt der schwedische Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Jörgen Warborn, auf eine weitere Verschärfung. Sein Ziel ist klar: die Zahl der Unternehmen, die Umwelt- und Sozialstandards unterliegen, im Namen der globalen Wettbewerbsfähigkeit Europas drastisch zu reduzieren. Sollte dieser Ansatz angenommen werden, wäre dies ein erheblicher Rückschritt für die Strategie der Union für einen verantwortungsvollen und ökologischen Wandel.
Im Februar letzten Jahres legte die Europäische Kommission ein erstes Maßnahmenpaket vor, den sogenannten „Vereinfachungs-Omnibus“. Dieser sah vor, alle Unternehmen mit weniger als tausend Beschäftigten von den ESG-Regeln zu befreien. Damit wären über 80 % der derzeit rund 50.000 betroffenen Unternehmen ausgeschlossen. Der Vorschlag stieß bereits auf Kritik von Umweltgruppen, Gewerkschaften und Investoren, die eine mögliche Verringerung der Transparenz und Kontrolle über die Lieferketten befürchten.
Warborns Gegenoffensive
Warborn, Mitglied der Europäischen Volkspartei, geht noch einen Schritt weiter. In seinem dem Parlament vorgelegten Änderungsantrag schlägt er nun vor, die Schwellenwerte nochmals anzuheben und sicherzustellen, dass die Regeln nur für Unternehmen mit mindestens 3.000 Beschäftigten und einem Umsatz von über 450 Millionen Euro gelten. In einer vergangene Woche veröffentlichten Erklärung sagte Warborn, Europa verliere im globalen Wettbewerb an Boden, und sein Vorschlag ziele darauf ab, die Kosten für Unternehmen zu senken und die bereits von der Kommission vorgesehenen Regelungen weiter zu vereinfachen.
„Wir geben unsere Werte in Sachen Nachhaltigkeit nicht auf. Wir setzen sie in die Praxis um. Ziel ist es, die europäische Nachhaltigkeitsagenda zu vereinfachen, nicht zu schwächen“, fügte Warborn hinzu.
