Artikel von Annalisa Cangemi
Das Schlüsselwort ist Überwachung. Wir müssen die neue Europäische Kommission beobachten und sicherstellen, dass sie nicht zu weit nach rechts abdriftet. Das geschieht bereits; es ist schon geschehen. Deshalb stellen sich die Sozialisten ihr entgegen: Die Gefahr, dass sich die politische Achse der im Parlament entstehenden Mehrheit zunehmend nach rechts verschiebt, ist real, wie die letzten Wochen gezeigt haben.
Morgen gegen 12:00 Uhr stimmt das Europäische Parlament über die neue Europäische Kommission ab. Für Ursula von der Leyen dürfte es nach der erzielten Einigung keine Überraschungen geben – eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt. Allerdings dürfte die Mehrheit, auf die sie zählen kann, knapper ausfallen als jene, die sie im Juli für ihre Kandidatur erhielt, als die ÖVP, die Sozialisten, die Liberalen und die Grünen sie unterstützten. Nun hat ein Großteil der Grünen angekündigt, dagegen zu stimmen. Sie bemängeln zum einen, dass die EVP – um es mit den Worten der Sozialisten zu sagen – „die proeuropäische Mehrheit zugunsten eines alternativen rechtsextremen Bündnisses verraten“ habe, und zum anderen, dass Raffaele Fitto, Mitglied der Fratelli d’Italia und Vertreter der Fraktion Europäische Konservative und Reformisten (deren Vorsitzender Meloni ist), einen der sechs Vizepräsidentenposten der Kommission erhalten soll.
Was ändert sich im EU-Haushalt 2025?
Morgen wird auch über den EU-Haushalt für 2025 abgestimmt, der voraussichtlich einstimmig angenommen wird und dann in Kraft tritt. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben den von rechtsgerichteten europäischen Regierungen vorgeschlagenen drastischen Haushaltskürzungsversuch erfolgreich blockiert. Diese Regierungen haben im Europäischen Rat die Mehrheit. Im vergangenen Monat hatte der Rat Kürzungen in Höhe von 1,52 Milliarden Euro vorgeschlagen, die wichtige Programme für Europas Zukunft, wie das Studierendenmobilitätsprogramm Erasmus+ und das Forschungsprogramm Horizont Europa, betroffen hätten.
