Die Illusion des Friedens
Wir sind mit dem Glauben aufgewachsen, Frieden sei selbstverständlich. Wir sind in einem Europa groß geworden, in dem Krieg wie Geschichte behandelt wurde – etwas, das man auf alten Fotos sah, an dem man sich an besonderen Tagen erinnerte oder über das man in Büchern las. Wir dachten, der Konflikt sei vorbei.
Wir sind erwachsen geworden, und Kriege umgeben uns. Ukraine, Gaza, Syrien, Jemen, Sudan, der Kaukasus – diese Orte sind alle unterschiedlich, mit unterschiedlichen Gründen und Konflikten unterschiedlichen Ausmaßes, aber eines geschieht immer wieder: Gewalt verschwindet nicht. Sie verlagert sich nur, ändert ihren Namen oder wird weniger offensichtlich. Der Krieg ist nicht zurückgekehrt; er war einfach immer da, lauernd.
Was aber noch seltsamer ist als die Kriege selbst, ist die Art und Weise, wie jeder darauf reagiert. Denn nicht alle Invasionen erhalten die gleiche Aufmerksamkeit. Nicht alle Machtübernahmen werden von der Welt als gleich schlimm angesehen. Und nicht jedes Leid wird in Erinnerung behalten. Manche Invasionen schaffen es in die Nachrichten. Andere geraten einfach in Vergessenheit.
