„Man kann nicht vom Brot allein leben.“
Diese Worte prangen an der Hauswand in Kovachevitsa, einem der schönsten Bergdörfer Bulgariens. Sie bedeuten nicht, dass man ab und zu ein Steak braucht. Ihre wahre Bedeutung liegt darin, dass man nicht nur seinen Körper ernähren kann. Man muss auch seine Seele nähren. Wie gelingt das? Mit Musik, Poesie, Kunst, Filmen und Erlebnissen.
Bild von Bulgarien, Kovachevitsa und dem Rhodopengebirge. Quelle: Pixabay, Foto: mon83bg
Ist Ihnen aufgefallen, wie Politiker und Experten im Fernsehen über die Europäische Union sprechen? Man hört sie über Handel, Regulierungen, Haushalte, Kohäsionsfonds, den Binnenmarkt usw. reden. Diese Themen sind zwar wichtig, aber wie das Brot in der obigen Geschichte – ein vereintes Europa kann nicht allein davon leben. Warum? Weil man sich nicht in den Binnenmarkt verlieben kann. Man kann kein Lied über eine Richtlinie schreiben. Man kann nicht im Rhythmus der Kohäsionspolitik tanzen.
Was die Menschen tief bewegt und uns ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt, ist Kultur. Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Essen, Geschichten und Traditionen, die Grenzen überschreiten, Neugier wecken und Empathie fördern. Das ist es, was Menschen in ganz Europa auf sinnvolle Weise verbindet. Wenn wir von Kultur sprechen, sprechen wir von Neugier. Ein französisches Chanson, ein bulgarischer Volkstanz, eine niederländische Designausstellung, die spanische Tapas-Tradition – all diese Erlebnisse laden dazu ein, Grenzen zu überschreiten: geografische, sprachliche, kulturelle. Dabei erkennt man, dass die „andere Seite“ durchaus interessant ist und gar nicht so anders.
