Sich um Sachfragen kümmern, nicht um Institutionen
Studien belegen immer wieder, dass sich junge Menschen für politische Themen interessieren. Bildung, Wohnen, Klimawandel, Lebenshaltungskosten und Beschäftigung stehen ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. Viele befürworten zudem die Demokratie und halten Wahlen grundsätzlich für wichtig.
Aktuelle Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen Besorgnis und Handeln. Laut Eurobarometer lag die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen 2024 bei lediglich 36 Prozent der Wahlberechtigten unter 25 Jahren – ein Rückgang gegenüber 42 Prozent im Jahr 2019. Dies ist bedeutsam, da die Wahlen 2019 einen seltenen Anstieg der Jugendbeteiligung verzeichneten , der maßgeblich durch die Dringlichkeit der Klimapolitik und die Mobilisierung der Massen bedingt war.
Der Rückgang im Jahr 2024 deutet darauf hin, dass der vorherige Anstieg weniger eine dauerhafte Veränderung als vielmehr eine Reaktion auf einen Moment war, in dem Politik als unmittelbar relevant empfunden wurde. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass junge Wähler nicht besonders zynisch sind: Misstrauen gegenüber der Politik wird von unter 25-Jährigen seltener genannt als von älteren Wählern, während mangelndes Interesse an der aktuellen politischen Darstellung ein häufigerer Grund für Wahlenthaltung ist.
Das Problem ist nicht ein Mangel an Werten, sondern ein Mangel an Verbindung. Formale Politik wirkt oft distanziert, übermäßig technisch und losgelöst von der Lebensrealität. Für viele junge Menschen scheinen Wahlen etwas zu sein, das über ihren Köpfen stattfindet, anstatt ein Prozess, den sie tatsächlich beeinflussen können.