Rechtliche Aufsichtslücken

Die größte Herausforderung besteht im Fehlen einer dauerhaften Rechtsgrundlage für den nationalen Koordinator für digitale Dienste. Derzeit wird diese Funktion übergangsweise vom Präsidenten des Amtes für elektronische Kommunikation (UKE) wahrgenommen, der über kein dauerhaftes Mandat verfügt. Das Amt für Wettbewerb und Verbraucherschutz ist im Rahmen des Aufsichtsmodells als zweite Aufsichtsbehörde vorgesehen.

Gemäß den EU-Vorschriften : „Die Mitgliedstaaten waren verpflichtet, bis Februar 2024 nationale DSA-Regulierungsbehörden zu ernennen. Polen hat diese Frist versäumt, und der Fall kann dem Gerichtshof der Europäischen Union vorgelegt werden.“

Die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen eingeleitet und macht das Ministerium für Digitalisierung und den Ministerrat für die Umsetzung verantwortlich.

Risiken für Internetnutzer und den Markt

Verzögerungen bei der Umsetzung des DSA haben spürbare Folgen für polnische Internetnutzer. Die regulatorische Lücke erhöht das Risiko von Desinformation, illegaler Werbung und anderen schädlichen digitalen Praktiken.

„Polnischen Nutzern fehlen derzeit wirksame Mechanismen, um gegen illegale Inhalte, Betrug und Material, das die Sicherheit von Kindern gefährdet, vorzugehen“, warnen Analysten .

Die uneinheitliche Durchsetzung des DSA in den EU-Ländern schwächt die Fähigkeit der Union, Technologiekonzerne einheitlich zu regulieren und die digitalen Rechte der Bürger zu schützen.

Polen verteidigt sein Tempo

Die Regierung argumentiert, die langsame Einführung spiegele die Notwendigkeit wider, sorgfältige und qualitativ hochwertige Regelungen zu entwickeln. „Umfangreiche Konsultationsrunden zeugen von einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema“, so Regierungsvertreter . Trotzdem wurden seit Anfang 2025 keine regulatorischen Entscheidungen getroffen.

Experten betonen, dass eine wirksame Durchsetzung des DSA einen klar definierten nationalen Koordinator mit entsprechenden Befugnissen und ein kohärentes Aufsichtssystem erfordert. Weitere Verzögerungen dürften zu einer Anrufung des EuGH und finanziellen Strafen für Polen führen.

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