Die in Italien geborene Luissa kehrte nach Rumänien zurück, in das Geburtsdorf ihrer Mutter, Vâlcele in der Gemeinde Feleacu, Kreis Cluj, um ein Unternehmen aufzubauen, das Leidenschaft mit wissenschaftlicher Forschung verbindet.
Von Italien nach Rumänien – eine Reise mit tiefen Wurzeln
Luissas Vater ist Italiener, und ihre Liebe zum Teig und zum Backen wurde ihr schon in der Kindheit in die Wiege gelegt, als sie ihrem Vater beim Pizzabacken in der Küche zusah. „Der Ofen muss heiß sein, der Teig muss genau richtig gehen, man muss wissen, wie er aussehen sollte und wie man ihn verarbeitet“, erinnert sie sich und betont, dass sie mit dem Üben und Beobachten der Kunst des Brotbackens aufgewachsen ist.
Nachdem Luissa in Großbritannien Berufserfahrung gesammelt, unter anderem in einer jüdischen Gemeinde gearbeitet und zum ersten Mal Sauerteigbrot gebacken hatte, beschloss sie, nach Rumänien zurückzukehren. Es war keine zufällige Entscheidung – ihre Mutter wurde hier geboren, und hier liegen ihre Wurzeln und Werte.
Ein Geschäft im Dorf ihrer Mutter – eine Herausforderung mit überraschendem Ergebnis
„Ich kam mit der Vorstellung, dass die Leute dieses Brot mit offenen Armen empfangen würden, dass wir eine bezahlbare Miete im Dorf finden und dann den Markt in Cluj beliefern könnten. Aber ich merkte schnell, dass es nicht so einfach ist“, gibt Luissa zu. In rumänischen Dörfern ist Brotbacken ein vertrautes, fast gemeinschaftliches Handwerk – die Menschen wissen, wie man es macht. Wenn also eine junge Frau mit Auslandserfahrung eine andere Brotsorte anbietet, können die Reaktionen überraschend sein.
Die Überraschung war, dass das Brot sofort Anklang fand. „Wenn jemand wiederkommt und dasselbe Produkt erneut bestellt, ist das die beste Bestätigung“, sagt Luissa.
Heute sind Qualität und Beständigkeit ihre Leitprinzipien.
Eine Doktorarbeit, inspiriert von den Worten ihrer Großmutter: Tradition trifft auf Wissenschaft
Luissa backt nicht nur Brot – sie erforscht auch die Wissenschaft dahinter. Ihre Doktorarbeit befasst sich mit natürlichen Sauerteigkulturen, Fermentation und Verdaulichkeit – wie Teig und der Fermentationsprozess Brot zu einem gesunden Lebensmittel machen, das keine Beschwerden verursacht. „Wir verzichten darauf, große Mengen Hefe zu verwenden und den Teig zwei Stunden lang gehen zu lassen. Wir verwenden Sauerteigkulturen, die zwei bis drei Tage fermentieren, wodurch das Brot bekömmlicher wird.“
Dieser Ansatz beruht auch auf einer persönlichen Erfahrung. Nach Jahren im Ausland wurde bei Luissa Sodbrennen und Reizdarmsyndrom diagnostiziert, wodurch sie kein normales Brot mehr essen konnte. Daraufhin begann sie, ihre Art, Brot zu backen – und ihre Essgewohnheiten – zu überdenken.
Lehren aus dem Westen und die Realität in Rumänien
„Im Ausland habe ich gelernt, was Wertschätzung am Arbeitsplatz bedeutet, ebenso wie Vertrauen und angemessene Bezahlung. In Rumänien habe ich diese Unterstützung nicht erfahren, aber die Erfahrung hat mich gestärkt“, sagt Luissa. Das Leben im Ausland gab ihr den Mut, in dem Dorf ihrer Mutter ein Herzensprojekt zu starten – nicht nur als Geschäft, sondern als persönliche Mission.
Eine Verbindung zur Vergangenheit: die Mühle ihrer Großmutter und der Glaube an Brot
Luissas Großeltern besaßen eine Mühle in Feleacu, und diese Erinnerung begleitet sie bei jedem Brot, das sie backt. „Wenn ich das Brot berühre, fühle ich mich Gott und meiner Familie näher“, gesteht die junge Unternehmerin.
Luissa ist der Ansicht, dass die heutige Jugend mehr Aufklärung über Ernährung und Gesundheit benötigt. „Viele junge Menschen haben Verdauungsprobleme und wissen nicht, warum. Ich musste erst wieder lernen, wie ich esse und bewusst darauf achten, was ich zu mir nehme, um mich wohlzufühlen.“
Eine Botschaft an die träumende Jugend
„Ich würde ihnen raten, auf ihr Herz zu hören und an dem festzuhalten, was ihnen Freude bereitet. Es ist wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einen inspirieren und unterstützen. Mut und Geduld sind für jedes Projekt unerlässlich.“
Luissa Maino backt nicht einfach nur Brot – sie schlägt eine Brücke zwischen Tradition und Wissenschaft, zwischen Italien und Rumänien, zwischen dem Dorf und der Welt. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass man am Ende alles hat, wenn man Brot hat. Und wenn das Brot gut ist, genügt es völlig.
Interview von: Ruxandra Hurezean | Dreharbeiten und Videoschnitt: Anastasia Sucitu
