Podcast basierend auf einem Interview von Catalina Mihai (Podcast bearbeitet von Madalina Mihai).
In einer Welt, die von Geschwindigkeit, Optimierung und ständiger Produktivität besessen ist, sieht die Designerin Ioana Teleanu etwas Unerwartetes: Die Generation Z verlangsamt ihr Tempo – und zwar bewusst.
Nach der Analyse aktueller Forschungsergebnisse zu dieser Generation stellt Teleanu fest, dass die jungen Leute von heute ein anderes Verhältnis zur Technologie haben als die Erwachsenen.
„Die Generation Z ist technologiekritischer. Sie setzt Grenzen. Sie will nicht, dass alles schneller oder optimierter ist. Sie will Reibung – denn genau dort findet echtes Wachstum statt.“
KI-Kommentare überall – und die Gefahr, die menschliche Stimme zu verlieren
Teleanu zufolge findet einer der seltsamsten Online-Trends auf LinkedIn statt, wo viele Nutzer auf generative KI zurückgreifen, um Kommentare oder Antworten zu verfassen.
„Ich erkenne sofort von KI verfasste Kommentare. Und die stammen nicht von Bots – sie stammen von Menschen, die die KI für sich sprechen lassen.“
Das Problem, erklärt sie, ist nicht das Werkzeug – sondern der Verlust der eigenen Stimme.
„Wenn ich aufhöre, mit Ihnen zu sprechen und stattdessen mit dem spreche, was ein System für Sie schreibt, verschwindet das Wesen der Kommunikation.“
Europa vs. USA: Zwei digitale Kulturen, zwei unterschiedliche Denkweisen
Nach einer kürzlich unternommenen Reise nach San Francisco – der Hauptstadt der globalen Technologie – bemerkte Teleanu einen deutlichen Kontrast zwischen den beiden Seiten der Welt.
In den USA fühlt sich Technologie wie ein ständiger Wettlauf an: präsentieren, optimieren, skalieren, beschleunigen.
„Wenn man nicht in der Technologiebranche arbeitet, hat man fast das Gefühl, nicht dazuzugehören. Alles ist uniform, jeder verkauft irgendetwas. Es ist ein bisschen dystopisch.“
Unterdessen bleibt Europa stärker auf den Menschen ausgerichtet: „Die Europäer stellen sich immer noch Fragen: Was ist ethisch vertretbar? Wie schützen wir die Menschen? Was geschieht mit unseren Daten? Es gibt immer noch eine soziale und philosophische Ebene.“
Eine Bildungslücke – und warum Universitäten nicht mithalten können
Teleanu weist darauf hin, dass die formale Bildung hinter dem Innovationstempo zurückgeblieben ist.
Lehrpläne ändern sich langsam; die Technologie ändert sich wöchentlich.
„Die akademische Welt hinkt immer einen Schritt hinterher – manchmal zehn. Studenten haben erkannt, dass es für eine Karriere im Technologiebereich besser ist, direkt von Leuten zu lernen, die bereits in der Branche arbeiten.“
In Rumänien, sagt sie, sei diese Kluft noch deutlicher zutage getreten.
Um genau diesem Bedarf gerecht zu werden, gründete sie eine Designschule – und diese war schnell ausgebucht.
Verantwortung, KI-Kompetenz und die Rolle von Experten
Für Teleanu beginnt Verantwortung nicht bei Institutionen, sondern bei Einzelpersonen und Gemeinschaften, die lehren, Wissen teilen und anderen bei der Anpassung helfen.
„Die Staaten müssen sich schnell anpassen. Wir brauchen KI-Kompetenz. Die Menschen müssen verstehen, was sie benutzen und warum.“
Doch viele Länder – selbst die USA – hinken noch weit hinterher.
Generation Z: verantwortungsbewusster, bewusster, weniger beeindruckt von Hype
Teleanus wichtigste Erkenntnis ist gleichzeitig die hoffnungsvollste:
„Die Generation Z nutzt KI verantwortungsvoller als wir. Sie ist nicht beeindruckt davon, dass alles 10-mal schneller ist. Sie will Sinn. Sie will Ausgewogenheit.“
Sie sind mit Technologie aufgewachsen, und genau deshalb setzen sie sich schon früh Grenzen.
Sie fragen sich, was die Technologie mit ihnen macht – nicht nur, was sie für sie tut.
„Sie sind einer größeren digitalen Gefahr ausgesetzt als wir damals, und das wissen sie. Deshalb ziehen sie Grenzen. Und das ist gut so.“
Eine Karriere, die auf Design, Ethik und Gemeinschaft basiert
Mit über 15 Jahren Erfahrung in multinationalen Technologieunternehmen und Positionen bei UiPath und Miro hat Teleanu maßgeblich zur Entwicklung wichtiger KI-gestützter Produkte beigetragen – darunter Clipboard AI, das vom Time Magazine zur besten Erfindung des Jahres 2023 gekürt wurde .
Heute ist sie Beraterin und Gründerin von Uxgoodies, einer globalen Community, in der Tausende etwas über Design und KI lernen.
„Ich wollte, dass sich Menschen in der Technologiebranche weniger allein fühlen. Genau dafür ist eine Community da.“
Die Zukunft? Unordentlich, rasant – aber nicht hoffnungslos
Trotz der Unsicherheit ist Teleanu überzeugt, dass die Generation Z etwas Wesentliches beizutragen hat:
Verantwortungsbewusstsein und die Weigerung, sich überwältigen zu lassen.
„Technologie kann überwältigend sein. Das wissen sie. Und sie ziehen eine Grenze. Davon können wir alle lernen.“
Dieser rumänische Podcast ist Teil von PulseZ. #PulseZ
