Im Jahr 2005 besaßen die meisten Menschen Klapphandys, mit denen man kaum ein verpixeltes Foto verschicken konnte. Heute bewegen wir uns mühelos in komplexen mobilen Ökosystemen. Wir wechseln zwischen Dutzenden von Apps, nutzen Gestensteuerung, verwalten Datenschutzeinstellungen und beheben Verbindungsprobleme im Handumdrehen. Der Durchschnittsnutzer verfügt heute über mehr technisches Wissen über sein Smartphone als viele IT-Experten vor zwei Jahrzehnten über Computer.
Digitale Kommunikationsfähigkeiten
Wir haben völlig neue Sprachen und Umgangsformen für das digitale Zeitalter geschaffen. Den Tonfall von Textnachrichten und Emojis zu deuten, sich in Gruppenchats zurechtzufinden, zu erkennen, wann Videoanrufe angebracht sind und wann man textet, und Memes und GIFs zu interpretieren – all das ist für uns selbstverständlich geworden. Diese Kommunikationsfähigkeiten gab es vorher nicht, weil es die entsprechenden Plattformen noch nicht gab. Wir haben gemeinsam eine völlig neue Art des sozialen Miteinanders erlernt.
Jeder ist ein Content Creator
Im Jahr 2005 erforderte das Erstellen und Teilen von Inhalten technisches Know-how und teure Ausrüstung. Heute filmen und bearbeiten wir Videos mit unseren Smartphones, erstellen Grafiken ohne Designausbildung, produzieren Podcasts von zu Hause aus und bauen uns online eine persönliche Marke auf. Die Demokratisierung der Content-Erstellung hat Millionen von Menschen zu Fotografen, Videografen und Moderatoren gemacht, ohne dass sie dies jemals geplant hatten.
Kenntnisse im Bereich Remote-Arbeit
Homeoffice gab es zwar schon 2005, doch die dafür benötigten Kompetenzen haben sich grundlegend verändert. Videokonferenz-Etikette, die Zusammenarbeit über Zeitzonen hinweg mit cloudbasierten Tools, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in gemeinsam genutzten Räumen und der Aufbau von Beziehungen über Bildschirme sind zu unverzichtbaren Fähigkeiten geworden. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt, doch sie war bereits vor 2020 von entscheidender Bedeutung.
Bewusstsein für digitale Sicherheit
Cybersicherheit war früher Aufgabe anderer. Heute verwalten wir alle Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung, erkennen Phishing-Angriffe, schützen unsere digitalen Spuren und sichern unsere Identität auf verschiedenen Plattformen. Diese ständige Wachsamkeit war für unsere Kollegen im Jahr 2005 nicht notwendig, da die Bedrohungen damals schlichtweg nicht in diesem Ausmaß existierten.
Navigation ohne Karten
Früher war das Lesen von Papierkarten unerlässlich. Heute navigieren wir mit GPS, nutzen standortbasierte Dienste, finden Geschäfte über Karten-Apps und teilen unseren Standort in Echtzeit mit Freunden. Wir haben eine Fähigkeit des räumlichen Denkens gegen eine andere eingetauscht und sind dadurch besser mit unserer Umgebung verbunden, ohne uns auf auswendig gelernte Routen zu verlassen.
Social-Media-Kompetenz
Die wohl wichtigste Fähigkeit ist der Umgang mit sozialen Plattformen. Wir kuratieren Feeds, prüfen Fakten im Zeitalter von Fehlinformationen, verstehen die Influencer-Kultur, bauen Online-Communities auf und wissen, wann wir uns engagieren oder abmelden sollten. Diese Fähigkeiten entwickeln sich ständig weiter, da sich Plattformen verändern und neue Herausforderungen entstehen.
Die unsichtbare Revolution
Das Bemerkenswerte ist nicht nur, dass diese Fähigkeiten existieren, sondern wie unsichtbar sie geworden sind. Wir betrachten sie nicht mehr als erlernte Fertigkeiten. Sie gehören einfach dazu, wenn man im Jahr 2026 ein funktionierendes Erwachsenenleben führt. Unser Ich aus dem Jahr 2005 wäre erstaunt darüber, wie sehr wir uns angepasst haben, und vielleicht auch etwas überwältigt davon, wie viel Wissen man allein für einen ganz normalen Tag braucht.
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